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Schornsteinfeger werben um Nachwuchs


26.05.2024 - 09:11 Uhr


Das Schornsteinfeger-Handwerk kämpft mit Nachwuchsproblemen. «Bundesweit können wir eigentlich zufrieden sein, aber es gibt regionale Unterschiede, wo ein Fachkräftebedarf schnell zum Fachkräftemangel führen kann», sagte Udo Voigt, Vorstand Berufsbildung beim Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV), der Deutschen Presse-Agentur. Dies würden dann auch die Kunden zu spüren bekommen, die wegen der Heizungsgesetze derzeit großen Informationsbedarf hätten. «Betriebs- und Brandsicherheit haben oberste Priorität. Deshalb wären Beratungstermine das Erste, was wegfällt», sagte Voigt.

Aktuell gebe es in den 7600 Schornsteinfeger-Betrieben rund 20.000 Beschäftigte, darunter 1835 Lehrlinge. Mit knapp 620 Azubis sei die bundesweite Zahl in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben. Probleme bei der Besetzung der Lehrstellen gebe es vor allem in den östlichen Bundesländern wie Thüringen, aber auch im Saarland.

Laut Saar-Landesinnungsmeister Eric Scherer befinden sich im aktuellen Jahrgang nur zwei Azubis, üblich seien bislang etwa zwölf gewesen. Warum man «gegen den bundesweiten Trend gelaufen» sei, könne auch er sich nicht erklären, sagte Scherer. Um verstärkt für eine Ausbildung in diesem Handwerk zu werben, wollen sich nun auch die Saarländer der bundesweiten Kampagne «Komm ins Team Schwarz» anschließen.

Auch die Landesinnung in Rheinland-Pfalz verzeichnet sinkendes Interesse bei den Bewerbungen - wenn auch nicht in solchem Maße wie im Nachbarland. Nach Angaben von Landesinnungsmeister Marco Villmann benötigt man etwa 45 Azubis im Jahr. Tatsächlich seien es in den vergangenen Jahren zwischen 35 und 38 gewesen, die ihre Lehre begannen.

ZIV-Vorstand Voigt rät, auch Kundenkontakte für Werbung zu nutzen: «Ich glaube einfach, dass die direkte Ansprache die beste ist. Besser als jeder TikTok-Auftritt.» Schließlich sehe der Schornsteinfeger seinen möglichen Nachwuchs bei Kunden quasi über die Jahre heranwachsen.

Zudem gelte es, gemeinsam für einen Perspektivwechsel zu kämpfen: «Da müssen wir alle zusammenhalten, damit auch in der Fläche ankommt, wie sich das Berufsbild gewandelt hat», appellierte er. Früher habe der Schornsteinfeger Öfen geputzt, jetzt prüfe er die Wärmepumpe auf Sicherheit und Energieeffizienz.

Ein weiteres Klientel kann laut Voigt vielleicht auch der berufsspezifische Studiengang anlocken, der in Baden-Württemberg kreiert worden sei: So könnten Interessierte in Rottenburg (Landkreis Tübingen) einen Bachelor-Abschluss im Fach «Erneuerbare Energien mit Profilgebung Schornsteinfeger» machen und studienbegleitend ihre Gesellenprüfung ablegen.

© dpa-infocom, dpa:240526-99-166875/2

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